Auf einer Südamerikareise im Amazonas baden zu gehen, kann fatale Folgen haben und das nicht nur wegen der Piranhas. In den trüb schwammigen Gewässern lauert ein wirklich fieser kleiner Fisch, der auch vor dem Menschen nicht Halt macht – Der „Penisfisch“.
Bild: Der Penisfisch
Quelle: Dr. Peter Henderson, PISCES Conservation Ltd.: http://www.angelfire.com/biz/piranha038/candiru.html
Der Candirú a.k.a. Penisfisch ist einer der sagenumwogensten und zugleich gefürchtetsten Fische der Welt. Der im Amazonasgebiet beheimatete Candiru oder Canero (Vandellia cirrhosa) ist ein Süßwasserfisch aus der Ordnung der Welsartigen. Er kann eine Länge von maximal 15 cm erreichen, besitzt eine aalähnliche Form und ist fast durchscheinend. Die meiste Zeit des Tages und der Nacht verbringt der Parasit eingegraben im Sand und lauert geduldig auf seine Opfer.
Der parasitär lebende Candirú schwimmt, den Atemströmungen anderer Fische folgend, in deren Kiemenöffnungen und stellt dort seinen Festhaltestachel auf. Nun kann sein blutiges Handwerk beginnen: Er zerfetzt die Kiemen-Gefäße des Wirtfisches und labt sich am ausströmenden Blut. Dieses Verhalten brachte ihm den Beinamen „Brasilianischer Vampirfisch“ ein. Wie bei den meisten Parasiten/Wirt-Beziehungen übersteht der Hauptwirt die brutale Prozedur in aller Regel ohne extreme bzw. lebensbedrohliche Verletzungen. Anders sieht es natürlich aus, wenn der Candirú den Wirt verwechselt. Und hier kommt der Mensch ins Spiel! Es ist nämlich möglich, dass der Parasit die Strömung, die ein Mensch beim Urinieren im Wasser verursacht, mit der Atemströmung der Kiemen der Wirtsfische verwechselt. Die Folge: Der Fisch schwimmt in die Harnröhre bzw. kämpft sich seinen Weg dorthin frei.
Folgendes Video verdeutlicht dies:
Auf YouTube hochgeladen von BBCWorldwide am 26.01.2009 - RSS Video-Link
Hiervon sind übrigens nicht nur Männer betroffen, auch bei Frauen niestet sich der Fisch ein und in beiden Fällen mit unter Umständen verhängnisvollen Folgen, sowohl für den Parasiten selbst als auch für den Fehlwirt Mensch. Es ist dann durchaus denkbar, dass der Fisch in der menschlichen Harnröhre ein besonders ausgeprägtes Maß an Aktivität an den Tag legt, denn anders als in den Kiemen des Wirtsfisches, wo der hohe Druck, des durch den Biss in die Arterien ausströmenden Blutes ausreicht ihn innerhalb von 30 bis 145 Sekunden komplett mit Blut zu füllen, sind die von ihm in der Harnröhre ausgelösten Blutungen nicht so ergiebig. Der Parasit wird im übertragenen Sinne etwas ungehalten und verursacht durch seine Aktivitäten bei den Opfern höllische Schmerzen. Um ihn wieder los zu werden muss der Fisch in den meisten Fällen operativ entfernt werden:
Siehe vor allem den letzten Teil des folgenden Videos: http://youtu.be/PcWfdlMg5XQ
Geschieht das nicht, kann es zu gefährlichen Entzündungen kommen, die eine Amputation erforderlich machen. Die Ureinwohner der Region vertrauen auf die Heilkräfte der Xagua-Pflanze und des Buitach-Apfels welche in Kombination eingesetzt werden und den Fisch töten und auflösen. Hartgesottene können auch warten bis der Fisch von alleine stirbt und ausgeschieden wird. Im Fehlwirt Mensch stirbt der Fisch in jedem Fall nach einiger Zeit.
Ebenfalls nur für Hartgesottene! Das Abschließende Video dokumentiert einen Fall der operativen Entfernung des Candirú. Besonders Interessant: Ab Minute 3 sieht man wie der Fisch dagegen ankämpft von dem Instrument herausgezogen zu werden.
Auf YouTube hochgeladen von charlesuchoa am 24.04.2007 -RSS Video-Link
Nächster Teil der Serie: Die fiesesten Parasiten des Menschen (Teil 4 von 6)
Seit dem Altertum gefürchtet – Der Guineawurm
Weitere Teile:
Teil 1: Die fiesesten Parasiten des Menschen – Einführung
Teil 2: 20 Meter lang und hungrig – Der Bandwurm
Teil 4: Seit dem Altertum gefürchtet – Der Medinawurm
Teil 5: Na juckt es schon? – Die Krätzemilbe
Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Candiru
http://www.institutodeurologia-as.com.br/


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