Die Menschheit konnte bisher keine Zeichen jeglicher Art von extraterrestrischer Intelligenz (ETI) feststellen, dennoch werden in den letzten Jahren Forderungen von Forschern laut, die Vereinten Nationen sollten Pläne für den Umgang mit Außerirdischen erstellen.  Sogar die britische Royal Society, die weltweit älteste und zugleich renommierteste Gelehrtengesellschaft veranstaltete im Jahr 2010 eine Konferenz zu diesem Thema. Die eingeladen Wissenschaftler aus mehreren Disziplinen sollten erörtern, was bei einem Kontakt mit Außerirdischen zu erwarten sei und wie die Menschheit sich darauf vorbereiten könnte. Aber angenommen, die Menschheit hätte es bis zu einem gewissen Punkt selbst in der Hand, mit Außerirdischen in Kontakt zu treten, ist dann das Aussenden von Nachrichten wie bei Active SETI  bzw. METI eine gute Idee oder sollte die Menschheit nicht besser die Klappe halten und in Deckung bleiben?

Nebel um HD 87643Bild: Reflektionsnebel um den Stern HD 87643
Quelle: ESO  Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Solche Bedenken bei dem Versuch der Kontaktaufnahme sind dem russischem Radioastronom Dr. Alexander L. Zaitsev vermutlich nie gekommen. Der Chefwissenschaftler des “Instituts für Radiotechnik und -elektronik” der “Russischen Akademie der Wissenschaften” schafft Fakten: Zaitsev sendet Hochleistungsradiosignal zu nahen Sternen und Planeten.

 

Bereits im Jahr 1999 schickte er in Kooperation mit RSC Energia Ltd. und der Unterstützung zweier kanadischer Physiker und Hobby-SETI-Forscher eine Nachricht, den “Cosmic Call“, an insgesamt neun sonnenähnliche und erdnahe Sterne in einem Umkreis von 40 bis 70 Lichtjahren von der Erde. Gesendet wurde vom ukrainischen Evpatoria-Planetary-Radiotelescope .

Bis zum Jahr 2008 nutzte der Astronom jede sich ihm bietende Gelegenheit, um Interstellare Post zu verschicken. So war er etwa an der “Teen Age Message (TAM)”, die von August bis September 2001 an 6 erdnahe, sonnenähnliche Sternensysteme gesendet wurde, wie auch an der „A message from Earth (AMFE)” beteiligt.

Die Besonderheit der  „A message from Earth” vom 09. Oktober 2008 war, dass das digitale Hochleistungsradiosignal erstmalig nicht zu einem Stern, sondern direkt zu einem großen, aber erdähnlichen Exoplaneten gesendet wurde. Das Ziel der Nachricht war der Exoplanet Gliese 581 c, der den roten Zwerg Gliese 581 umkreist. Die Entdeckung des Planeten wurde im Jahr 2007 veröffentlicht. Er befindet sich möglicherweise in der bewohnbaren Zone seines Planetensystems, also in dem Bereich, in dem Wasser flüssig sein kann. Der Planet ist etwa 20,4 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das gesendete Signal besteht aus 501 Nachrichten, die im Rahmen eines User-Wettbewerbs im Social Netzwerk “Bebo” ausgewählt wurden. Dieses Signal wird den Planeten in rund 17 Jahren erreichen. Wer sich ein Bild in Echtzeit über die zurückgelegte Entfernung und die größtenteils ziemlich dämlichen Inhalte der Nachricht machen will, dem sei dieser Link empfohlen.

Zwar erhielt Dr. Alexander L. Zaitsev vom ukrainischen Evpatoria-Planetary-Radiotelescope nach 2008 keinerlei Mess- bzw. Sendezeiten mehr, das zielgerichtete Senden von Nachrichten aller Art in den Weltraum scheint aber gerade jetzt erst richtig Hip zu werden. So existieren eine Reihe von Unternehmen, die es auch Otto-Normalbürgern gegen ein Entgelt ermöglichen, ihre Grußbotschaften oder sonstigen geistige Ergüsse ins Weltall abzugeben.

Bild: Evpatoria-Planetary-Radiotelescope
Quelle: S. Korotkiy Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Viele Wissenschaftler sind besorgt, aufgrund des leichtfertigen Umgangs mit solchen Nachrichten ins All und den unabsehbaren Folgen.

Simon Conway Morris, PhD, ein Professor für Paläobiologie an der Universität Cambridge, ist etwa der Auffassung, dass sich die Menschheit im Fall des Kontakts mit Außerirdischen auf das Schlimmste gefasst machen sollte. Der renommierte Wissenschaftler geht davon aus, dass intelligente extraterrestrische Wesen wahrscheinlich auch eine Art Darwin’sche Evolution hinter sich haben. Das wiederum könnte bedeuten, dass die Aliens auch einige  bei uns damit in Verbindung gebrachte schlechte Eigenschaften besitzen dürften, etwa einen Hang zur Gewalt und Ausbeutung.

Auch der berühmte theoretische Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking warnt davor, mit Außerirdischen zu kommunizieren, denn Aliens könnten uns Menschen allzu ähnlich sein – und kommen, um zu zerstören und zu plündern. An der bloßen Existenz von Außerirdischen hat der britische Physiker keinen Zweifel. Das Universum habe 100 Milliarden Galaxien, so die Ausführungen von Hawking in der Doku-Reihe “Into The Universe with Stephen Hawking“, in einem solchen Raum sei es unwahrscheinlich, dass die Erde der einzige Planet ist, der Leben beherbergt. “Wenn uns Außerirdische besuchen, wird der Ausgang, so denke ich, genauso sein wie die Landung von Kolumbus in Amerika, was für die Eingeborenen nicht sehr gut ausging”, meint Hawking.

Selbst in der traditionell eher ETI-freundlich eingestellten Seti-Gemeinde (SETI – Search for Extraterrestrial Intelligence – Suche nach außerirdischer Intelligenz) sind viele Entscheidungsträger gegen jegliche Versuche, mit Außerirdischen in Kontakt zu treten. Stattdessen soll es bei den passiven Versuchen bleiben, Aliens aufzuspüren. Dabei werden hauptsachlich optische Wellenlängen und Radiowellenlängen auf Anomalien hin, mögliche Nachrichten, von ETI gescreent. Die Bedenken gegenüber Ansätzen einer aktiven Suche (Active SETI)  bzw. METI (Messaging to Extra-Terrestrial Intelligence), sind umso erstaunlicher, da SETI ursprünglich genau zu diesem Zweck, nämlich der Kommunikation mit Außerirdischen, angedacht war. So stand etwa auch das ursprüngliche Akronym “CETI” für “Communication with Extraterrestrial Intelligence”, zu Deutsch “Kommunikation mit außerirdischer Intelligenz”.

Dennoch, die überwiegende Anzahl der Mitglieder der SETI-Gemeinschaft sind der Meinung, dass von Seiten der Menschheit die Initiative zum kosmischen Plausch ausgehen sollte.  So stimmten bei einer Umfrage auf der SETI@home-Website am 08. Januar 2005, bei der Frage, ob von der Erde aus Nachrichten an Außerirdische gesendet werden sollten 78% der Befragten mit Ja.

Wie ist das zu erklären? Ist es der Glaube an eine so hoch entwickelte Zivilisation, die zu interstellaren Reisen im Stande sein würde und deswegen auch zwangsläufig altruistisch und friedfertig sein muss? Sicher, Filme wie „Contact“ und “E.T.” könnten in manchen Kreisen diese Hoffnung geweckt haben. Oder ist es die Frustration von Teilen der Seti-Basisgemeinschaft, nach Jahrzehnten der Suche, von der WOW-Botschaft mal abgesehen, nichts Außergewöhnliches gefunden zu haben, die diese Risikoneigung befeuert?

Ich stimme David Brin, Ph.D. zu, wenn er schreibt, dass Seti und gerade Grid Computing -Projekte wie SETI@home  eine gute und interessante Sache sind, doch Active SETI ist, anders als das stille Lauschen, bestenfalls Blödsinn und Zeitverschwendung, wie es etwa Frank Drake, bekannt durch das Senden der „Arecibo Message“ im Jahr 1974 in Richtung der Andromeda Galaxie, anmerkte. Und selbst Carl Sagan, einer der größten Unterstützer von Seti und von der altruistischen Natur möglicher Alien-Zivilisationen überzeugt, hält ein solches Vorgehen für zutiefst unklug und kindlich naiv.

 

In Kürze folgt: Darth Vader Szenarien - Eine Übersicht über Invasion- und destruktive Erstkontakt-Szenarien

 

Quellen:

http://www.davidbrin.com/shouldsetitransmit.html

http://www.cplire.ru/html/ra&sr/irm/Making_a_Case_for_METI.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,691115,00.html

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34180/1.html

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34180/2.html

http://derstandard.at/1293370357736/Vorbereitungen-fuer-den-Alien-Kontakt

http://en.wikipedia.org/wiki/Cosmic_Call

http://en.wikipedia.org/wiki/Teen_Age_Message

http://en.wikipedia.org/wiki/A_Message_From_Earth

http://de.wikipedia.org/wiki/Gliese_581_c

christian

  2 Antworten zu “SETI oder METI – Sind Nachrichten an Außerirdische gefährlich?”

  1. Also ich hab die Hosen voll..lol

  2. Ich glaube ja wenn es Aliens geben würde, dann wären die Ufos schon hier. Wobei Ufos dann untertrieben wäre – eher riesige Kolonisationsschiffe. Auch die gefräßigen Von-Neumann-Sonden sind sicher kein angenehmer Besuch. Da Lob ich mir doch das Fermi-Paradoxon und die Drake-Gleichung.

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