Aug 112011
 

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Quelle: Drow male – http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Drow_male?uselang=de
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Parasiten wie Zecken, Läuse und Flöhe haben gemein, dass sie auf Kosten Anderer leben und sich deshalb keiner besonderen Beliebtheit erfreuen – von ihren Tischmanieren ganz zu schweigen. Neben diesen schlechten Sitten vereint den Club der Schmarotzer auch ihr meist groteskes, wirklich sehr unappetitliches Äußeres. Das wird den Parasiten an sich jedoch wenig jucken, denn schließlich sind wir es ja, die Verspeist werden. Dies jedoch nur auf Raten und in der überwiegenden Zahl der Fälle ohne wirklich lebensbedrohliche Folgen, oft sogar völlig unbemerkt. Die meisten von uns würden sicher im Zweifel mehrere Flohbisse, einem einzigen Löwenbiss vorziehen,  nichts desto trotz kommen weltweit wesentlich mehr Menschen durch Parasiten ums Leben als durch Raubtiere. Und gerade der Floh hat ja als Überträger der Pest eine sehr unrühmliche Vergangenheit.  Der Parasit ist also ein fast vergessenes Produkt der Evolution, der anders als die Großkatze nie in ein Wappen schmücken wird?

Aufgrund der Tabuisierung dieses Themas, zumindest was die eigene physische Bekanntschaften mit diesen Tierchen angeht und der Tatsache, dass aufgrund der Hygienestandards in der westlichen Welt ein Aufeinandertreffen meist vermieden werden kann, ist der Parasit durchaus als medialer Loser zu bezeichnen. Der höchstens mal als kurze Show- und Schock-Einlage im Rahmen einer Wissensfernsehsendung aus seinem meist dunklen und feuchten Versteck ins Rampenlicht gezerrt wird.  Vom Flohzirkus mal abgesehen, würdest Du etwa in den Zoo gehen nur um dir beispielsweise Wanzen anzusehen? Dann doch lieber dem Löwen winken, ganz  furchtlos, hinter Sicherheitsglas versteht sich.

Wenn das so bleiben soll, das Furchtlos sein meine ich, dann hör jetzt besser auf zu lesen und werf keinesfalls einen Blick auf die folgenden Artikel der Serie, denn die kleinen, teilweise auch ziemlich großen Biester haben es in sich!

Was ihre Fitness angeht, ihre darwin’sche Performance sozusagen, lassen Sie jede Großkatze ziemlich alt aussehen. Stehen viele Großkatzen nämlich unter Artenschutz, um ihr Überleben in freier Wildbahn zu sichern, gedeihen Parasiten vielerorts prächtig. Vielmehr trotzen sie in Ländern mit allgemein schlechten Hygienischen Bedingungen und für sie günstigen klimatischen Bedingungen hartnäckig jedem Versuch, ihnen den Garaus zu machen. Parasiten sind, so die Überlegung des Arztes, Informatikers und Journalisten Dr. Berthold Gehrke, Herausgeber des PharmaFlash, möglicherweise die erfolgreichste Lebensformen auf dieser Erde. So hätten Biologen ausgerechnet, „dass zu jeder Tierart rechnerisch mindestens zwei auf diese spezialisierte Parasiten existieren“ würden (siehe Medizin.de). Der Mensch bildet hier leider keine Ausnahme, auch speziell hinter ihm sind bestimmte Schmarotzer her, regelrechte Menschenfresser.

Bild: Der Unterschenkel einer von der Fliegenmadenkrankheit befallen Katze. Dieser Parasit befällt auch den Menschen, und ist  insbesondere in Süd- und Mittelamerika verbreitet.

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Quelle: Uwe Gille -
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Myiasis-cat.jpg&filetimestamp=20090930085409
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Bevor es aber im nächsten Teil richtig losgehen kann soll die Gelegenheit genutzt werden um einige Parasitenspezifische Begrifflichkeiten zu klären.

Parasitismus (altgriechisch παρά (para) „neben“, σίτειν (sitein) „mästen, sich ernähren“) meint im engeren Sinn, den Ressourcenerwerb eines Organismus aus einem oder mittels eines anderen Organismus. Das Lebewesen auf dessen Ressourcen der Schmarotzer oder Parasit zugreift, bezeichnet man als Wirt. Der Wirtsorganismus wird vom Parasiten geschädigt und wenn überhaupt, erst zu einem späteren Zeitpunkt getötet. Dies hängt aber von der speziellen Parasiten/Wirt Beziehung ab. Ohne jetzt zu tief in die  komplexe Thematik einsteigen zu wollen, erscheint für unsere Zwecke folgende Unterscheidung sinnvoll:

Zuerst sollte je nachdem, ob sich der Parasit an oder in seinem Wirt aufhält  zwischen Ektoparasiten und Endoparasiten unterscheiden werden:

Ekto- oder Außenparasiten leben auf anderen Organismen und dringen nur mit ihren der Versorgung dienenden Organen in den Wirtsorganismus ein. Sie ernähren sich von Hautsubstanzen oder sie  saugen Blut oder Gewebsflüssigkeit. Hierzu gehören beispielsweise Zecken und Stechmücken. Endo- oder Innenparasiten leben im Inneren ihres Wirtes. Sie besiedeln Hohlräume im Körper und nisten sich im Gewebe, Organen oder Blut ein. Hier kann auf Parasiten der Gattung Plasmodium (Malariaerreger) und den Bandwurm verwiesen werden.

Die Unterscheidung nach der Größe der Parasiten in Mikroparasiten und Makroparasiten:

Mikroparasiten sind klein, manchmal extrem klein und so zahlreich, dass man die Zahl von ihnen im Wirt nicht angeben kann (meist Viren oder Bakterien). Makroparasiten sind in der Regel so groß, dass man ihre Anzahl genau bestimmen bzw.  schätzen kann. Bei Tieren findet man sie eher auf dem Körper oder in Körperhohlräumen (z. B. im Darm) als intrazellulär. Hierzu gehören beispielsweise Würmer, aber auch Läuse, Zecken, Milben und Flöhe sowie einige Pilze.

Wichtig sind gerade für Innenparasiten noch die Arten von Wirten. In der Parasitologie unterscheidet man zwischen folgenden:

Hauptwirt/Endwirt

Jeder Schmarotzer benötigt seinen lebenden Endwirt in erster Linie dazu, sich in ihm zu vermehren (sexuelle Fortpflanzung) und/oder zu wandeln. Parasiten passen sich im Lauf der Evolution meist an einen Hauptwirt an. Für den Hauptwirt ist das an sich noch eine verträglichere Form der Parasiten-Wirt-Beziehung, da es für den Parasiten nachteilig wäre, den Hauptwirt  extrem zu schädigen oder gar zu töten.

Zwischenwirt

Anders sieht es bei dem sogenannten Zwischenwirt aus. Dies ist ein Organismus, der die Larvenform bzw. die Jugendstadien eines Parasiten in seinen Körper aufnimmt. Diese werden dann nach ihrer ungeschlechtlichen Vermehrung und/oder Metamorphose (Umwandlungen) auf einen anderen Organismus übertragen. Und hier liegt das Problem für den Zwischenwirt, denn häufig ist es ab einem bestimmten Punkt für den Parasiten von Vorteil wenn der Zwischenwirt stirbt oder zumindest sehr geschwächt ist. In der Regel nämlich dann, wenn ein anderes Tier (entweder Endwirt oder selbst weiterer Zwischenwirt) den  bisherigen Zwischenwirt verspeisen soll.

Transportwirt

Als Transportwirt werden Organismen bezeichnet, die einen Erreger bzw. Parasiten nur mechanisch übertragen, ohne dass sich dieser in dem Überträger vermehrt und oder wandelt. Hier sei auf die Stubenfliege verwiesen die Mikroparasiten übertragen kann.

Nebenwirt/Gelegenheitswirt/ Zufallswirt

Der Nebenwirt ist ein schlechter als der Hauptwirt geeigneter Wirt, der aber noch zur Vermehrung genutzt werden kann. Der Parasit ist auch in der Lage den Gelegenheitswirt zu befallen und sich in diesem entwickeln. Der Parasit befällt den Gelegenheitswirt jedoch nur äußerst selten, da andere Wirte bessere Bedingungen bieten. Ähnliches gilt für den Zufallswirt

Fehlwirt

Katastrophal können die Folgen des Parasitenbefalles für den Fehlwirt sein. Er ist ein Wirt, der zufällig befallen wird und in dem eine Weiterentwicklung oder von dem aus eine weitere Fortsetzung des Entwicklungszyklus für den Parasiten unmöglich ist. Parasiten können bei ihm zu besonders schweren Erkrankungen führen. Letztendlich geschieht dies weil der Parasit weniger gut an seinen Wirt angepasst ist und ihn dadurch fast versehentlich schwer schädigt oder sogar tötet.

 

Die Top 5

Für die Auswahl der Top 5 der fiesesten Parasiten des Menschen war weniger die Mortalität der betroffenen Menschen noch die absolute Verbreitung der jeweiligen Spezies entscheidend (in diesen Fällen würden wir auch anders berichten), sondern ihr Gruselfaktor.  Der erste der 5 Schmarotzer, den wir im nächsten Teil der Serie besuchen, gehört zu einer der Klasse der Plattwürmer (Plathelmintes), er wird bis zu 20 Meter lang und  ist ein Bandwurm (Cestoda).

Welche anderen 4 Vertreter der Parasitären Zunft wir dir nun in Kürze Vorzustellen gedenken, muss erstmal, unser Geheimnis bleiben,  du brauchst ja auch etwas Zeit zum Verdauen. Denn bedenke, vielmehr noch als Du dich für sie interessierst, interessieren sie sich für dich. Und ihr Interesse ist ausschließlich auf physischer Basis. Wir servieren Häppchenweise – Bon Appétit!

Bild: Eine Zecke nach der Mahlzeit
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Quelle: Jost Jahn (Hokuzai) – http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Hokuzai

GNU-Lizenz für freie Dokumentation

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Weitere Teile:

Teil 2: 20 Meter lang und hungrig – Der Bandwurm

Teil 3: Schrecken aus der Tiefe – Der Penisfisch (Candiru)

Teil 4: Seit dem Altertum gefürchtet – Der Medinawurm

Teil 5: Na juckt es schon? – Die Krätzemilbe

Teil 6: Die Masse macht’s – Der Spulwurm

 

Quellen:

http://www.medizin.de/ratgeber/themen-a-z/r/rinder-und-schweine-bandwurm.html

http://www.traunsteiner-tagblatt.de/includes/mehr_chiemg.php?id=417

http://www.onmeda.de/lexika/krankheitserreger/uebersicht/parasiten.html

http://www.uni-hamburg.de/biologie/biomedparasitologie.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Parasitismus#Endoparasiten

http://de.wikipedia.org/wiki/Malaria

http://de.wikipedia.org/wiki/Parasiten_des_Menschen

http://de.wikipedia.org/wiki/Wirt_(Biologie)

http://de.wikipedia.org/wiki/Parasitismus

Verfasst von: Christian

Hallo,

ich bin Christian, Mitarbeiter bei OnePunch.de und habe bisher 68 Artikel für diesen Blog geschrieben. Mehr Information über mich und meine Tätigkeit findest Du hier.

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  3 Antworten zu “Die 5 fiesesten Parasiten (Teil 1 von 6): Einführung”

  1. grundsätzlich find ich den artikel sehr gut und witzig und das, obwohl es ja thematisch noch gar nicht losgeht. was mir beim lesen die ganze zeit nicht ausm kopf geht, is die tatsache, dass es ja durchaus auch fälle gibt, in denen das verhältnis wirt-parasit als win-win-situation anzusehen is, und ich meine nicht nur (aber auch) easy gewichtsverlust durch bandwürmer, sondern z.b. den medizinischen einsatz von bluzegeln, maden, kangalfischen, etc und die für uns lebenswichtige symbiose mit bakterien.

  2. Hallo,
    danke für den interessanten Artikel.
    Ich habe den Eindruck, dass ich bei meinem Hund viel mehr auf Befall unerwünschter Gäste achten muss als bei mir selber. Wie oft musste ich schon Zecken entfernen… und wieviele Euros habe ich schon für die Untersuchungen auf Würmer ausgegeben?!?

  3. wow – ich finde die Bilder absolut beeindruckend, ich habe und hatte mich mit diesem Thema absolut noch nie befasst, aber durch diesen Artikel und die Bilder wurde ich angestachelt den gesamten Beitrag zu lesen. – ich bin nach-wie-vor fasziniert und dennoch an bisschen angewidert über diese Tierchen!