Aug 142011
 

Von den zu einer Klasse der Plattwürmer gehörenden Bandwürmern (Cestoda),  sind heute rund 3500 Arten bekannt. Als Endoparasiten ziehen sie gerne in den Darm verschiedener Wirbeltiere, auch in den des Menschen ein. Dabei scheint gerade der Mensch bei dieser Schmarotzer hoch im Kurs zu stehen, die erste Adresse sozusagen. Die Größe der Würmer kann je nach Unterart stark variieren und reicht von einigen Millimetern bis zu knapp 20 Metern (Fischbandwurm) reichen.

Bild: Rund 4 Meter langer Rinderbandwurm, solche Würmer können bis zu 10 Meter lang werden, anders als der Name vermuten lässt, ist das Rind nur Zwischenwirt, Endwirt/Hauptwirt ist der Mensch.

Rinderbandwurm

Quelle: DPX - http://www.dpd.cdc.gov/dpdx/HTML/ImageLibrary/Taeniasis_il.htm - Public domain

Bandwürmer sind an ihre endoparasitsche Lebensweise sehr gut angepasst. Sowohl die Larve als auch die geschlechtsreifen Würmer ernähren sich dabei im Wirt ohne über einen eigenen Darm zu verfügen. Warum auch, wofür braucht man einen eigenen Darm wenn man einfach den des Wirts mitbenutzen kann. Ein echter Schmarotzer eben!

Die ausgewachsenen Würmer halten sich im Normalfall durch Saugnäpfe oder einen Hakenkranz im Darm des Endwirts fest. Die sich etwa im menschlichen Darm befindlichen Nährstoffe nimmt der Parasit über seine Außenhülle (Neodermis) auf. Diese schütz ihn auch vor Verdauung durch den  Wirt, die diese Neodermis den pH-Wert um das Tier verändert und somit die Enzymaktivität des Wirts in seiner Nähe hemmt.

Bild (Zeichnung): Kopf (Scolex) des Schweinebandwurms (Taenia solium) –  Hier befinden sich die Halteorgane, mit denen sich der Parasit an der Darmwand festhält.

Zeichnung Schweinebandwurm

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kopf_bewaffneter_Bandwurm-drawing.jpg - {{PD-Art}} Public domain

 

Kopf Schweinebandwurm

Quelle: Rjgalindo – http://es.wikipedia.org/wiki/Usuario:Rjgalindo - Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

 

Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Bandwürmer Zwitter sie besitzen also sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane und zwar in jedem ihrer vielen Bandwurmglieder (Proglottiden). Man könnte fast sagen, der Bandwurm besteht nur aus einem, verglichen mit dem Rest des Körpers, winzigen Kopf und Geschlechtsorganen. Diese Proglottiden dienen im weiteren Verlauf der Wurmentwicklung als schützendes Behältnis für die Eier. Bandwürmer produzieren durch gegenseitige Befruchtung zahllose Nachkommen und besonders bei vielen Arten kommt es dabei häufig zu einer Selbstbefruchtung. Das ist für den Wurm durchaus praktisch, wohnen nämlich bei den großen Arten, die den Mensch befallen (z.B. Rinderbandwurm, Schweinebandwurm, Fischband) diese Untermieter oftmals allein. Für eine WG ist der Wohnraum auch einfach etwas zu knapp bemessen.

Sobald die „reifen“ Proglottiden mit Eiern angefüllt sind, lösen sie sich am Ende des Bandwurms.  Im Gegenzug wachsen kurz hinter dem Kopf junge, noch „unreife“ Glieder heran. Die mit Eiern gefüllten Wurmglieder gelangen nun über den Kot des Wirtes nach außen. Dies ist auch der Moment in dem eine Bandwurminfektion dem betroffenen Menschen eigentlich auffallen sollte, denn die ausgeschiedenen Wurmglieder sind beispielsweise beim Rinder-, Schweine- oder Fischbandwurm meist nicht gerade klein und bewegen sich heftig, wenn sie das „Licht der Welt erblicken“.

Bild: Glieder des Rinderbandwurms

Glieder Rinderbandwurm

Quelle: DPX http://www.dpd.cdc.gov/dpdx/HTML/ImageLibrary/Taeniasis_il.htm - Public domain

Anders als die gerade beschrieben echten Bandwürmer, haben die Monozoischen Bandwürmer nur einen einfachen Satz an Geschlechtsorganen und entlassen ihre befruchteten Eier durch eine Öffnung in den Darm des Wirtes. Wir konzentrieren uns hier aber auf die echten Bandwürmer, da dieser Kategorie die wesentlich prominenteren Vertreter ihrer Art angehören.

 

Rinderbandwurm 

Beim Rinderbandwurm (Taenia saginata) ist, wie der Name andeutet, das Rind der Zwischenwirt. Dem Menschen hingegen kommt die Ehre zu als einziger Endwirt herzuhalten. Der infizierte Mensch scheidet pro Tag bis zu neun Proglottiden aus, diese verstreuen durch aktive Kriechbewegungen die Eier über weite Strecken. Die Eier werden von Rindern aufgenommen. Die geschlüpften Finnen (Larven) siedeln sich dann in Muskulatur im Zwerchfell, der Zunge und dem Herz des Rinds an. Die Finnen verbleiben im Rind und werden, falls sie bei einer in den meisten Ländern gesetzlich vorgeschriebenen Fleischbeschau durch den Veterinärmediziner nicht entdeckt werden, vom Menschen aufgenommen. Eine Wurminfektion tritt allerdings nur dann auf, wenn das Fleisch ungenügend gekocht oder roh gegessen wird.

Der Rinderbandwurm wurde weltweit mit der Rinderzucht verbreitet, und ist in den Ländern südlich der Sahara und jenen des Nahen Ostens vermehrt anzutreffen. Eine besonders Signifikante Häufung ist in Kenia festzustellen. Hier sind laut einer Studie aus dem Jahr 1996, mit starken regionalen Schwankungen allerdings, ca. 15–80 % der Rinder betroffen. Ungeklärte Abwässer, die in Flüsse gelangen, “wilde Toiletten” in der Nähe von Weideplätzen und die direkte Übertragung der Eier von Mensch zu Rind in Betrieben sind Quellen von Infektionen.
Der Körper des Rinderbandwurms trägt alle typischen Merkmale der Bandwürmer, er erreicht eine Länge von bis zu 10 Metern bei einer Breite von bis zu 7 Millimetern. Ihm fehlt allerdings der charakteristische Hakenkranz, als Haftorgan an seinem Kopf. Er verursacht beim Menschen weinig Symptome. Ein ruhiger Untermieter also und für den Menschen insgesamt eher harmlos. Selten treten Kopfschmerzen, leichte Bauchschmerzen, Hungergefühl oder wechselnder Appetit und Unwohlsein auf. Es kann zu starker Gewichtsabnahme kommen. Bei Befall des menschlichen Darms durch den Rinderbandwurm kann mit Praziquantel behandelt werden.

 

Schweinebandwurm

Auch der Schweinebandwurm hat sich auf den Menschen spezialisiert. Als Zwischenwirt dient das Schwein. Aber auch der Mensch kann als (Fehl-) Zwischenwirt dienen. Der Schweinebandwurm wurde wie der Rinderbandwurm weltweit mit dem Menschen als seinem Hauptwirt verbreitet. Der Mensch infiziert sich, indem er Fleisch isst, welches mit den Larven (Finnen) des Bandwurmes verseucht ist, und nicht ausreichend gekocht wurde. Das Schwein hingegn infiziert sich durch Aufnahme der mit Wurmeiern gespickten Ausscheidungen infizierter Menschen. In Europa konnten Schweinebandwürmer nahezu eliminiert werden. Die Finnen sind nämlich im Schweinegewebe gut zu erkennen und treten gehäuft auf, so dass die befallenen Tiere in der Fleischbeschau leicht aussortiert werden können.  Als problematische gelten hingegen Gebiete vor allem in Mexiko. Hier kann auch das Finnenstadium häufig im Menschen angetroffen werden (Infektion als Fehl- Zwischenwirt). So gelten etwa bis zu 3,6 % der Bevölkerung von Mexiko-Stadt als verseucht.

Der Körper des Schweinebandwurmes erreicht eine Länge von bis zu 3–7 m und eine Breite von bis zu 7 mm. Die Infektion mit dem adulten Bandwurm als Haupt/Endwirt verläuft für den Mensch meist symptomlos. In der Therapie kommen unter anderem Mebendazol und Praziquantel zum Einsatz.

Falls aber, der Mensch als Fehlzwischenwirt dient, siedeln sich die Finnen vor allem an den Faszien von Skelettmuskeln, am Zwerchfell, Kehlkopf, Herz, Lymphdrüsen oder im Gehirn an.

Bild: MRT-Aufnahme eines Patienten mit Neurozystizerkose – Multiple Finnen im Gehirn

MRT Hirn

Quelle: US Government organization CDC

http://www.cdc.gov/ncidod/eid/vol3no3/evans.htm - Gemeinfrei

 

Fuchsbandwurm

Gänzlich anders verhält es sich beim Fuchsbandwurm. Hier ist der Mensch in der Entwicklungskette überhaupt nicht vorgesehen. Und hierin ist auch der Grund zu sehen weshalb der Befall mit Fuchsband, genauer mit seinen Finnen schwerwiegendste Folgen haben kann. Der Endwirt/ Hauptwirt ist meist der Fuchs, Zwischenwirt sind oft kleinere Nager. Die Verbreitungsgebiete erstrecken sich auf die gemäßigten, bis kalt-gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas und Nordamerikas. Die Befallsdichte schwankt erheblich, in manchen Regionen sind bis zu 72 % aller Füchse befallen, etwa in Südwestdeutschland, in anderen Regionen sind es nur bis zu 5 %.

Als kleinerer Vertreter der Bandwürmer erreicht der Fuchsbandwurm eine Länge von nur rund drei Millimetern bei einem Durchmesser von rund einem Millimeter. Der Kopf verfügt über Saugnäpfe und Haken um sich an der Darmwand des Wirtes festzusetzen.  Sein Körper ist in drei bis vier segmentähnliche Körperabschnitte (Proglottiden) unterteilt, wobei die letzte Proglottis stark vergrößert ist und fast die Hälfte der gesamten Länge des Wurmes ausmacht

Der erwachsene Wurm, der sich im Darm des Fuchses niedergelassen hat, scheidet  bis zu 200 Eier pro Tag aus. Das Ei wird zunächst von einem Zwischenwirt, meist ein Nagetier aufgenommen. In dessen Magen löst sich dann die Eikapsel auf, die Larve durchdringt die Darmwand und gelangt so in die Blutbahn oder in die Lymphe. Die Larven setzten sich vor allem im Lebergewebe fest, können aber auch Lunge, Herz und Milz befallen. Sie bilden eine Hydatide (griech. wasserreich) genannte, knospende Larvenstruktur. Diese bildet Ausläufer und beginnt damit, die umliegenden Gewebsstrukturen zu zersetzen. Es entsteht ein großes schwammiges Gewebe (Metacestode), in dessen Wänden bilden sich die knospenden Bandwurmfinnen.

Bild: Von den Larven des Fuchsbandwurms befallene Baumwollratte

Baumwollratte befallen

Quelle: CDC/Dr. I. Kagan - http://phil.cdc.gov/PHIL_Images/09041998/00026/3MG0020_lores.jpg

Public domain

Durch die Erkrankung wird der Zwischenwirt immer schwächer und damit eine leichte Beute für mögliche Endwirte wie Hund, Fuchs und Katze. Aber selbst nach dem Tod des Zwischenwirtes bleibt die Hydatidenlarve noch lange infektiös, so dass auch Tiere, die sich von Aas ernähren, zum Endwirt werden können. Fuchsbandwürmer sind selbst bei hohem Aufkommen für ihn kaum schädlich, für den Menschen kann jedoch eine Infektion verheerende Folgen haben.

Der Mensch stellt im Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurmes wie bereits erwähnt einen Fehlzwischenwirt dar. Da Füchse eigentlich nicht dazu kommen Menschen zu fressen, kann der Parasit nicht durch die Infektion an den Endwirt weitergegeben werden sondern breitet sich oftmals über Jahre im menschlichen Körper aus. In den Organen eines infizierten Menschen, vornehmlich in Leber, Lunge und Gehirn, kann es, obwohl der Mensch ein Fehlzwischenwirt ist, zu einer Finnenentwicklung kommen, die das Krankheitsbild der alveolären Echinokokkose hervorruft. Dabei entsteht ein Netzwerk von Röhren in den befallenen Organen. Sie enthalten die Finnen in Form von Anhäufungen mikroskopisch kleiner, von Bindegewebe umschlossener Bläschen (Alveolen). Das Finnengewebe breitet sich vergleichbar den Metastasen bei Krebserkrankungen aus, wodurch die betroffenen Organe schleichend, aber weitgehend zerstört werden.

In Europa sind im Zeitraum von 1982 bis 2000 nur 559 Fälle der alveolären Echinokokkose bekannt. Einer neuen Studie zufolge sind dies aber wahrscheinlich nur 30 % der tatsächlich auftretenden Fälle, da das nationale Überwachungssystem viele Fälle nicht erfasst hat. Obwohl die Zahl der mit dem Bandwurm infizierten Füchse in Endemie-Gebieten relativ hoch ist, konnten keine damit zusammenhängend erhöhten Infektionsraten beim Menschen festgestellt werden. Auf Grund der geringen lokalen Anzahl erkannter Erkrankungen und der langen Inkubationszeit von 5–20 Jahren sind aber alle statistischen Aussagen und Handlungsempfehlungen mit großer Unsicherheit verbunden. Auffällig wird der Befall meist erst zehn bis zwanzig Jahre nach der Infektion. Oftmals da die Symptome bei Befall der Leber Ähnlichkeit mit einem Leberkrebserkrankung oder einer Leberzirrhose aufweisen. Durch die starke Durchwucherung der betroffenen Organe und die unscharfe Abgrenzung befallener Areale zu gesunden, ist eine Operation bei fortgeschrittener Erkrankung kaum noch durchführbar. Ohne eine Operation aber, oder die jahrelange Einnahme von Anti-Wurm-Medikamenten, sterben die meisten Patienten an Leberversagen.

 

Dokutipp!

BBC Exklusiv Dokumentation – Parasiten die Killer in uns:

In dieser Dokumentation wird auch der wirklich krasse Eigenversuch eines Biologen dokumentiert, der wissentlich eine Bandwurmlarve verschluckt… viel Spaß!

 

Weitere Teile:

Teil 1:  Die fiesesten Parasiten des Menschen – Einführung

Teil 3: Schrecken aus der Tiefe – Der Penisfisch (Candiru)

Teil 4: Seit dem Altertum gefürchtet – Der Medinawurm

Teil 5: Na juckt es schon? – Die Krätzemilbe

Teil 6: Die Masse macht’s – Der Spulwurm

 

Quellen:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_405_mehr-fuchsbandwurm-infektionen-in-deutschland.html

http://www.medizin.de/ratgeber/themen-a-z/r/rinder-und-schweine-bandwurm.html

http://www.bfr.bund.de/cm/350/rinderbandwurm.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Zystizerkose

http://de.wikipedia.org/wiki/Alveol%C3%A4re_Echinokokkose

http://de.wikipedia.org/wiki/Bandwurm

http://de.wikipedia.org/wiki/Rinderbandwurm

http://de.wikipedia.org/wiki/Schweinebandwurm

http://de.wikipedia.org/wiki/Fuchsbandwurm

http://de.wikipedia.org/wiki/Fischbandwurm

http://www.tieraerzteverband.de/tierrat/tg0895.htm

Verfasst von: Christian

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ich bin Christian, Mitarbeiter bei OnePunch.de und habe bisher 68 Artikel für diesen Blog geschrieben. Mehr Information über mich und meine Tätigkeit findest Du hier.

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