Jun 022012
 

Die fiesesten Parasiten des Menschen (Teil 6 von 6): Der Spulwurm

Vom Spulwurm sind aktuell schätzungsweise 22% der Menschen weltweit befallen. Ungefähr 1% dieser mit Menschenspulwurm (Ascaris lumbricoides) infizierten Personen verstirbt an den Folgen des Parasitenbefalls. Äußerlich ähneln die bei einem Durchmesser von 5 mm bis zu 40 cm langen Schmarotzer, nicht nur aufgrund ihrer leicht rosa Färbung, dem Regenwurm.

Parasitärer Fadenwurm

Quelle: CDC Division of Parasitic Diseases

Auch ihr Lebensraum weist Überschneidungen mit dem des Regenwurms auf, so halten sich die Spulwürmer ebenfalls vorzugsweise in feuchter kaum von der Sonne beschienener Erde auf. In feuchter Erde kann der Spulwurm mehrere Jahre lang leben.

Der parasitäre Fadenwurm tritt daher vor allem in Regionen mit genügend Bodenfeuchtigkeit auf. Der Wurm legt extrem widerstandsfähige Eier, die rund vier Jahre infektiös bleiben und von den meisten Chemikalien nicht getötet werden können. Dies ist aber nur einer der Gründe, weshalb der Spulwurm auch in Mitteleuropa nach wie vor verbreitet ist. Der Hauptgrund dafür, dass Infektionen mit Spulwürmern selbst in Deutschland keine Seltenheit sind, ist sicherlich darin zu sehen, dass man sich diesen Parasit sehr leicht einfangen kann.

So ist nicht, wie etwa bei dem Rinderbandwurm, einem ebenfalls auf den Menschen spezialisierten Parasit, ein Tier (in diesem Beispiel ein Rind) als Zwischenwirt erforderlich, die Infektion des Menschen mit Spulwürmern erfolgt ganz direkt über die orale Aufnahme von larvenhaltigen Eiern. Diese befinden sich z.B. in verunreinigtem Trinkwasser oder auf Gemüse und Salaten, die mit Fäkalien gedüngt wurden. Auch mit Gartenerde verschmutze Hände können eine potenzielle Infektionsquelle darstellen. Ebenfalls häufig gelangen die Wurmeier über Fliegen von Kot auf Lebensmittel.

Die Eier benötigen, bei Temperaturen von 9 bis 35 °C und ausreichender Feuchtigkeit, in der Natur mindestens zwölf, meist aber mehr Tage, um heranzureifen. Werden Eier mit den herangereiften Larven nach dieser Zeit vom Menschen aufgenommen, schlüpfen die Larven des Spulwurms im Dünndarm. Von hier aus bohren sie sich durch die Darmwand und wandern über den Blutstrom zur Leber, wo sie sich häuten und heranwachsen. Danach wandern sie zum Herzen und über den Lungenkreislauf in die Lungenbläschen, dort häuten sie sich abermals und wandern über die Bronchien und die Luftröhre zum Kehlkopf. Im menschlichen Hals angelangt, wird die Larve nun entweder abgehustet oder geschluckt. Wird sie geschluckt kehrt die Spulwurmlarve wieder in den Dünndarm zurück, wo sie zum erwachsenen Spulwurm heranwächst. Dieser Entwicklungsprozess vollzieht sich in nur 30 bis 35 Tagen. Manchmal werden die Spulwürmer hier durch Zufall entdeckt, etwa bei einer Darmspiegelung. Allerdings befand sich dieser große Spulwurm nicht im Dünndarm der Patientin, sondern im Dickdarm der Frau.


Auf YouTube hochgeladen von TopMegaVidsam 01.09.2010 Video-Link

Es wurde auch schon von Fällen berichtet, in denen die durch eine Narkose ausgelösten biochemischen Wechselwirkungen die Würmer, die sich unbekannterweise im Patienten befinden, gereizt werden und versuchen, durch verschiedene Körperöffnungen wie Mund, Nase oder After zum zu entkommen. Dass dies für alle an dem operativen Eingriff beteiligten Personen etwas irritierend ist, versteht sich von selbst.

 

Spulwürmer – Die Masse macht’s…

Nun aber angenommen, das Spulwurmweibchen bleibt ungestört, dann wird es beginnen, am Tag bis zu 200.000 Eier zu legen, in ihrem Eierstock sind sogar bis zu 27 Millionen Eier angelegt. Die erwachsenen Spulwürmer können 1 bis 1,5 Jahre lang leben. Bei dieser Masse an Eierproduktion, die auch die des Madenwurms bei weitem übertrifft, ist es leicht nachvollziehbar, dass ein Mensch durchaus auch eine große Menge an Eiern, etwa durch den Verzehr von kontaminiertem Gemüse abbekommen kann. In Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen infizierten sich die Menschen wieder und wieder mit den selbst ausgeschiedenen Spulwurmeiern. in einem solchen Fall kann es zu einer regelrechten Explosion an parasitärer Biomasse innerhalb des menschlichen Körpers kommen.
Nur relativ selten kommt es vor, dass Larven in die Augen oder das Gehirn des Menschen eindringen. Wenn dies allerdings geschieht, dann richten die Wurmlarven dort erheblichen Schaden an.

Bei schwachem Wurmbefall kann der Betroffene auch beschwerdefrei bleiben. Außerdem sind beim Befall des Menschen nur in seltenen Fällen invasive Eingriffe nötig, etwa in Form einer Darmspiegelung, bei der die Parasiten mit einem Greifarm am Kopf des Endoskops erfasst und durch den After entnommen werden. Ein anderes selten notwendiges Operationsverfahren wird nur bei darmblockierendem Befall angewandt. Dabei wird die betroffene Zone im Darm des Menschen geöffnet und die Wurmansammlungen manuell vom Arzt durch die Schnittöffnung gedrückt. Hier das Video einer solchen Operation in Indien, dokumentiert von Dr. Susanta Behera,MS(Surg.). Dieses Video (insbesondere ab Minute 1.45) ist vermutlich nicht für jeden geeignet.


Auf YouTube hochgeladen von sbcontroam 24.08.2009 Video-Link

Die Diagnose des Spulwurmbefalls erfolgt am effektivsten durch eine Kotuntersuchung mittels des Flotationsverfahrens, es ist aber auch der serologische Nachweis einer larvalen Spulwurminfektion mittels ELISA möglich. Während der Invasionsphase ist die Stuhluntersuchung allerdings wie beim Befall nur mit männlichen Spulwürmern negativ. Neben dem Befall mit dem Menschspulwurm, kann sich der Mensch auch mit Spulwürmern von Hund, Katze, Fuchs, Wolf oder Schwein infizieren. Eine Spulwurminfektion lässt sich medikamentös behandeln. Einfache Maßnahmen wie Händewaschen vor jeder Nahrungsaufnahme und der absolute Verzicht des Verzehrs von kotgedüngtem Gemüse sowie eine gute Grundhygiene können das Infektionsrisiko verringern. In der Familie gehaltene Kleintiere sollten regelmäßig entwurmt werden.

 

Bisherige Teile:

Teil 1:  Die fiesesten Parasiten des Menschen – Einführung

Teil 2: 20 Meter lang und hungrig – Der Bandwurm

Teil 3: Schrecken aus der Tiefe – Der Penisfisch (Candiru)

Teil 4: Seit dem Altertum gefürchtet – Der Medinawurm (Guineawurm)

Teil 5: Na juckt es schon? – Die Krätzemilbe

 

 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Spulwurm

http://ticker-grosstiere.animal-health-online.de/20060628-00000/

http://www.medizinfo.de/gastro/darm/spulwuermer.shtml

Verfasst von: Christian

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ich bin Christian, Mitarbeiter bei OnePunch.de und habe bisher 68 Artikel für diesen Blog geschrieben. Mehr Information über mich und meine Tätigkeit findest Du hier.

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  3 Antworten zu “Die fiesesten Parasiten des Menschen (Teil 6 von 6): Der Spulwurm – Die Masse macht’s…”

  1. Woher kommt eigentlich deine Faszination für Parasiten? Wie kommt man auf die Idee, das zu einem Hauptthema des Blogs zu machen?

  2. Wow, diese Artikelserie über Parasiten war wirklich enorm interessant und aufschlussreich. Ich glaube ich hatte als Kind mal kurz Madenwürmer, die sind aber nicht so schlimm und gehen relativ leicht weg. Vor allem aber das Würmer sich wirklich durch Darmwand und Leber bohren können, ja teilweise sogar ins Gehirn gelangen finde ich schon ziemlich eklig.